LSH-Newsletter

Im Keine-Zeit-für-Quatsch-NL geben wir uns ebenso staatstragend wie visionär, indem wir mit einem gewissen Stolz daran erinnern, was will alles schon im Januar thematisierten. Jedenfalls ist der Hornisgrinde-Wolf aktuell ebenso wieder Thema wie Kai Wegner und der ominöse Unverzüglich-Zettel. Boris Palmer haben wir bereits in 67 Newslettern angesprochen. Und wir machen dies hiermit ein 68. Mal. RH wiederum hofft gar auf eine Neuauflage von Villa Schreckenstein mit eben Boris Palmer. Ganz so sicher sind wir uns nicht, ob auch Manuel Hagel und Andreas Stoch eine ähnlich lange NL-Karriere beschieden sein wird, mögen auch die Erläuterung des Treibhauseffekts sowie die Entenpastete durchaus begeistern. Der Stühlinger Kirchplatz bleibt unser Lieblingsort in Freiburg, gerade weil er noch kein Wohlfühlpark ist, die Kopfprämie hingegen steht nicht allzu hoch bei uns im Kurs. Wohl aber unser neuer Institutsgast, für den wir alles tun.


Letzte News & Ab­stimmungen

15.04.2026

Alright

Kurz vor der Stichwahl um das Amt des Münchener Oberbürgermeisters bezeichnete sich Dieter Reiter im Umgang mit seinen erst auf den letzten Drücker abgegebenen Ämtern beim FC Bayern als „fast nicht ganz bei Sinnen“ und „völlig schiefgewickelt“. Die Watsch’n habe es gebraucht. https://strafrecht-online.org/sz-reiter-sinne Nach der Wahl konstatierte er: „Ich hab’s verbockt, es ist meine Schuld.“ https://strafrecht-online.org/br-reiter-bock Ikarus Manuel Hagel wiederum sah sich leicht zerknirscht zu dem Eingeständnis veranlasst, der Satz mit den rehbraunen Augen einer Schülerin aus einer ohnehin nicht zu verachtenden Mädchenklasse sei „Mist“ gewesen. Seine Frau habe ihm hierfür „gleich am Abend ordentlich den Kopf gewaschen“. https://sz.de/li.3394178 [kostenfrei über UB] Und Andreas Stoch – nennen wir ihn mal mit den 5,5 Prozent für die SPD Super-Ikarus – fehlte zunächst jegliches Unrechtsbewusstsein, als er seinen Fahrer während eines Wahlkampfauftritts in einem Tafelladen kurz einmal für eine Pâté de Campagne und eine Entenpastete nach Frankreich fahren ließ. https://strafrecht-online.org/swr-pastete https://strafrecht-online.org/youtube-einkauf [min. 09:25] Nachdem Stoch zunächst noch ganz im Sinne des SPD-Wahlkampfslogans „Weil es um Dich geht“ davon schwärmte, schöne Entenpastete sei einfach etwas Herrliches, sah er sich anschließend zu einem leichten Bedauern veranlasst, vielleicht auch nur dafür, dass er so blöd gewesen ist, sich beim Auftrag filmen zu lassen. https://strafrecht-online.org/stoch-bedauern Nehmen wir noch unseren Tennis spielenden Regierenden Bürgermeister von Berlin hinzu (zu ihm o. I.), haben wir gleich mal ein Quartett zusammen und drängt sich der Eindruck auf, derartige Fehlleistungen häuften sich ein wenig. Die Bandbreite der Versäumnisse ist dabei beachtlich und reicht von Taktlosigkeiten über disziplinarrechtlich relevantem Verhalten bis hin zu einem patriarchalen Weltbild, das über den Hinweis auf die Rolle der Frau, die ihren „Mann ohne eigene Einsicht“ ein wenig zu zähmen habe, eher bestätigt als revidiert wird. Wir erkennen an, dass Politiker:innen ein entbehrungsreiches Leben führen und sie dabei bereichsweise durchaus eine respektable Vision haben. Und wir wissen darum, dass nicht nur Sozialhilfeempfänger oder durch die Innenstadt Schlendernde ohne Unterlass und ohne Halbwertszeiten gescannt werden, sondern eben auch sie. Vor diesem Hintergrund sollten wir bereit sein, lässliche Fehler, Wissenslücken, Ungeschicklichkeiten oder auch eine aus Überforderung rührende Gereiztheit zu akzeptieren. Passiert uns permanent. Nur Markus Lanz ist davor nach ausgiebiger Vorbereitung gefeit und ergötzt sich unbändig und stundenlang weiterbohrend an fehlendem Wissen über die exakte Höhe des Verteidigungshaushalts, der ohnehin mit jeder Minute weiter anwächst. Trotz dieser Nachsicht sind wir aber nicht bereit, solche Defizite in Kauf zu nehmen, die uns das Vertrauen in eine Person nehmen, weil sie wie bei Manuel Hagel auf überkommenen patriarchalen Strukturen beruhen oder darauf hindeuten, dass eine soziale Schieflage nicht einmal wahrgenommen wird. Und wie sieht es nun mit dem Treibhauseffekt aus, den Manuel Hagel durchaus ein wenig holprig erläuterte? https://strafrecht-online.org/ts-hagel-treibhaus Wenn Fridays for Future dies mit dem Hinweis „Wussten gar nicht das Manuel Hagel anscheinend auch die Schule bestreikt hat“ kommentiert, spricht dies relativierend ein wenig für sich, mögen zugegeben auch Konjunktion und Klimakatastrophe nicht dieselbe Wertigkeit haben. Vor dem Hintergrund der anderen weit größeren Untiefen sagen wir in diesem Fall ganz lässig wie Manuel Hagel selbst: „Alright, oder?“ Worauf die Lehrerin übrigens süffisant antwortete: „Wunderbar, bin beeindruckt!“ Hagel wird trotz seines Nachnamens eh nicht Umweltminister werden. Sein Parteikollege Gordon Hoffmann wiederum, nach eigenen Angaben stinkend faul und mit Hängen und Würgen durch die zehnte Klasse gekommen, wird Brandenburgs neuer Bildungsminister. Aber das ist eine andere Geschichte. https://strafrecht-online.org/spon-minister-bildung https://sz.de/li.3453386 [kostenfrei über UB]
24.03.2026

Märchen aus dem Zahlenwald

Auch unser derzeitiger Innenminister Alexander Dobrindt hat lose mit Zahlen zu tun. Wenn er bei der geplanten Pkw-Maut tatsächlich gerechnet haben sollte, dann sind ihm hier leider kolossale Fehler unterlaufen. Als Soziologe hat er die gesellschaftliche Akzeptanz grundlegend fehlerinterpretiert, die Unvereinbarkeit mit dem EU-Recht hätten ihm rein theoretisch Katarina Barley oder Heiko Maas näherbringen können. Aber Alexander Dobrindt jongliert nach wie vor unbeirrt mit scheinbar solide daherkommenden Zahlen. Und wenn sie ihm nicht ganz so in den Kram passen, wird eben mal die y-Achse unterschiedlich skaliert, um den fälschlichen Eindruck zu erwecken, Links- und Rechtsextremisten hielten sich ungefähr die Waage. https://strafrecht-online.org/t-online-zahlen https://sz.de/li.3363084 [kostenfrei über UB] Der weitere Vorwurf von Ronen Steinke, das Bundesamt für Verfassungsschutz konzentriere sich nicht mehr auf „Gewalttäter“, sondern auf „Gewaltorientierte“, ist zwar gleichfalls zutreffend, betrifft aber ein grundsätzliches strukturelles Einschätzungs- und damit auch Manipulationsproblem des Verfassungsschutzes, abgesehen davon, dass wir den Gewalttäter an sich auch nicht kennen. Manuel Hagel jedenfalls hat die Präsentation von Alexander Dobrindt voll und ganz überzeugt. Auch nach ihm ist der Linksterrorismus zurück in unserem Land. https://strafrecht-online.org/zeit-hegel Ob ihm dies sowie seine ehrenwerte Rückendeckung für seinen Parteifreund und toughen Krisenmanager Kai Wegner (hierzu oben I.) gegen den in Umfragen aufkommenden Cem Özdemir helfen wird? Uns ist jedenfalls durch Alexander Dobrindt sehr geholfen. Zu Beginn der Vorlesung Kriminologie II gehen wir regelmäßig der Frage nach, welches Unheil sich mit „leicht bearbeiteten“ statistischen Grafiken anstellen lässt. Und haben nun ein eindringliches aktuelles Beispiel für unsere Materialien. https://strafrecht-online.org/kriminologie-statistiken
20.03.2026

Einfach mal den Kopf freikriegen, ist das sofort, unverzüglich

Die legendäre Pressekonferenz mit Günter Schabowski, dem Sprecher des Politbüros der SED, vom 9. November 1989 zeigte diesen leicht konfus. Auf die Frage, ab wann denn die neuen Reiseerleichterungen des Zentralkomitees gelten würden, schaute er auf seinen Sprechzettel und verkündete in einer grammatikalisch nicht ganz ausgefeilten Form, die wir ihm aber natürlich verzeihen: „Das tritt nach meiner Kenntnis, ist das sofort, unverzüglich.“ https://www.youtube.com/watch?v=kZiAxgYY75Y [min. 4:00] Und los ging es … https://strafrecht-online.org/ndr-schabowski Ganz zu Recht hat dieser Zettel, der zeitweilig verschollen war und erst 2015 wieder auftauchte, seinen Platz im Haus der Geschichte in Bonn gefunden. Nun wissen wir übrigens auch, von wem das Museum dieses historische Dokument erwarb. Die Presse habe einen Anspruch auf Transparenz. https://strafrecht-online.org/spon-schabowski Gerüchteweise soll Walter Momper, damaliger Regierender Bürgermeister von West-Berlin, am 9. November noch relativ entspannt ein wenig Tennis gespielt haben, bevor es auch für ihn auf die Piste ging. Seriöse Quellen finden sich hierfür freilich nicht. Womit wir bei den sportlichen Betätigungen von Kai Wegner und seiner Partnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, und den Stichworten Seriosität und Transparenz angelangt wären. Denn was der aktuelle Regierende Bürgermeister am 3. Januar so machte, als Berlin mit dem größten Stromausfall der Stadtgeschichte und Zehntausenden von leidenden Berliner:innen zu kämpfen hatte, kam ein wenig schleppend und erst nach investigativem Nachhaken zutage. Er spielte nämlich (auch) ein wenig Tennis, um den Kopf freizukriegen. Zunächst hatte er noch verkündet, er habe sich „zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne“, was wir allerdings nicht so recht kapieren. Möglicherweise hatte er Sorge, die wiedergekehrten Linksterroristen (s. auch unten „Märchen aus dem Zahlenwald II“) hätten sich nicht nur am Stromnetz, sondern auch an ihm als der energetischen Schaltzentrale schlechthin vergreifen wollen. https://strafrecht-online.org/ts-wegner-stromausfall https://strafrecht-online.org/spon-wegner-tennis Diese kleine Kurzschlussreaktion können wir also ganz gut nachvollziehen, und wir verweisen vergleichsweise zufrieden darauf, dass Tennis irgendwie schon ganz gut zum Stromausfall im Südwesten von Berlin – Zehlendorf, Wannsee, Nikolassee – passte. Außerdem soll Kai Wegner auch während des Tennismatches durchgehend erreichbar gewesen sein, zumindest bei den Seitenwechseln bzw. den Trinkpausen. Denn Trinken ist wichtig, auch bei Kälte, die aber für ihn gar nicht behauptet wird. Schließlich und zu guter Letzt: Kai Wegner hat nach seinem Realschulabschluss gedient, das möchten wir an dieser Stelle einmal hervorheben, und außerdem eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann erfolgreich abgeschlossen. Aber mit dieser Expertise hätte er doch auch nur dumm in der Clayallee rumstehen können, am Ende wäre er noch für die kalten Wohnungen verantwortlich gemacht worden. Und so rufen wir aus: Alles richtig gemacht. Die Gummistiefel von Gerhard Schröder sind schließlich auch nicht im Haus der Geschichte gelandet. Und wer will überhaupt mit ihm heute noch etwas zu tun haben? https://sz.de/1.6329227 [kostenfrei über UB]
27.02.2026

Voting zum Verhältnis von Freizeitverhalten und Delinquenz

Anlässlich eines Vortrags von Dietrich Oberwittler im Rahmen unserer Tacheles-Reihe hatten wir Sie nach Ihrer Einschätzung gefragt, ob sich ein verändertes Freizeitverhalten von Jugendlichen auf deren Kriminalität auswirke. Während zu Beginn unseres Votings eher Skepsis herrschte, sind nunmehr nach gut zwei Monaten doch 58 % (35 Stimmen) der Auffassung, dass die Delinquenz der jugendlichen Coach-Potatoes abnehme, 42 % (25 Stimmen) hingegen glauben, dass dieses veränderte Freizeitverhalten keine Auswirkungen auf die Delinquenz habe. Dietrich Oberwittler kam in einer großen empirischen und international angelegten Studie zusammen mit einem schwedischen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, das auch die bei uns Abstimmenden mehrheitlich annahmen. Die Gründe hierfür: Jugendliche würden weniger Alkohol trinken, weniger unkontrollierte Zeit mit Gleichaltrigen verbringen und unter engerer Kontrolle der Eltern stehen. Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.