LSH-Newsletter

Der NL des gutes Wolfs hat einen deutlichen Tierschwerpunkt. So begeistern uns der nach Alcatraz schwimmende Kojote sowie unsere Eichhörnchen-Bande tatsächlich mehr als der unbeirrt tennisspielende Regierende Bürgermeister von Berlin, der nicht hinreichend reflektierte Taser-Einsatz, bei dem wir auch eine unterkomplexe Evaluation befürchten, oder die Triumphzahlen-Eskapaden von Donald Trump sowie schließlich Tricksereien von Innenminister Dobrindt bei der y-Achse. Ist der neue epochale LSH-Battle wenigstens ein bisschen erfreulicher? Zumindest für die vielen, die sich über eine krachende Niederlage von RH freuen. Kehren wir also am Ende des NL zu den Tieren zurück. Und räumen wir mit den bösen Unterstellungen auf, der Teufel sei ein Eichhörnchen.


Letzte News & Ab­stimmungen

24.03.2026

Märchen aus dem Zahlenwald

Auch unser derzeitiger Innenminister Alexander Dobrindt hat lose mit Zahlen zu tun. Wenn er bei der geplanten Pkw-Maut tatsächlich gerechnet haben sollte, dann sind ihm hier leider kolossale Fehler unterlaufen. Als Soziologe hat er die gesellschaftliche Akzeptanz grundlegend fehlerinterpretiert, die Unvereinbarkeit mit dem EU-Recht hätten ihm rein theoretisch Katarina Barley oder Heiko Maas näherbringen können. Aber Alexander Dobrindt jongliert nach wie vor unbeirrt mit scheinbar solide daherkommenden Zahlen. Und wenn sie ihm nicht ganz so in den Kram passen, wird eben mal die y-Achse unterschiedlich skaliert, um den fälschlichen Eindruck zu erwecken, Links- und Rechtsextremisten hielten sich ungefähr die Waage. https://strafrecht-online.org/t-online-zahlen https://sz.de/li.3363084 [kostenfrei über UB] Der weitere Vorwurf von Ronen Steinke, das Bundesamt für Verfassungsschutz konzentriere sich nicht mehr auf „Gewalttäter“, sondern auf „Gewaltorientierte“, ist zwar gleichfalls zutreffend, betrifft aber ein grundsätzliches strukturelles Einschätzungs- und damit auch Manipulationsproblem des Verfassungsschutzes, abgesehen davon, dass wir den Gewalttäter an sich auch nicht kennen. Manuel Hagel jedenfalls hat die Präsentation von Alexander Dobrindt voll und ganz überzeugt. Auch nach ihm ist der Linksterrorismus zurück in unserem Land. https://strafrecht-online.org/zeit-hegel Ob ihm dies sowie seine ehrenwerte Rückendeckung für seinen Parteifreund und toughen Krisenmanager Kai Wegner (hierzu oben I.) gegen den in Umfragen aufkommenden Cem Özdemir helfen wird? Uns ist jedenfalls durch Alexander Dobrindt sehr geholfen. Zu Beginn der Vorlesung Kriminologie II gehen wir regelmäßig der Frage nach, welches Unheil sich mit „leicht bearbeiteten“ statistischen Grafiken anstellen lässt. Und haben nun ein eindringliches aktuelles Beispiel für unsere Materialien. https://strafrecht-online.org/kriminologie-statistiken
20.03.2026

Einfach mal den Kopf freikriegen, ist das sofort, unverzüglich

Die legendäre Pressekonferenz mit Günter Schabowski, dem Sprecher des Politbüros der SED, vom 9. November 1989 zeigte diesen leicht konfus. Auf die Frage, ab wann denn die neuen Reiseerleichterungen des Zentralkomitees gelten würden, schaute er auf seinen Sprechzettel und verkündete in einer grammatikalisch nicht ganz ausgefeilten Form, die wir ihm aber natürlich verzeihen: „Das tritt nach meiner Kenntnis, ist das sofort, unverzüglich.“ https://www.youtube.com/watch?v=kZiAxgYY75Y [min. 4:00] Und los ging es … https://strafrecht-online.org/ndr-schabowski Ganz zu Recht hat dieser Zettel, der zeitweilig verschollen war und erst 2015 wieder auftauchte, seinen Platz im Haus der Geschichte in Bonn gefunden. Nun wissen wir übrigens auch, von wem das Museum dieses historische Dokument erwarb. Die Presse habe einen Anspruch auf Transparenz. https://strafrecht-online.org/spon-schabowski Gerüchteweise soll Walter Momper, damaliger Regierender Bürgermeister von West-Berlin, am 9. November noch relativ entspannt ein wenig Tennis gespielt haben, bevor es auch für ihn auf die Piste ging. Seriöse Quellen finden sich hierfür freilich nicht. Womit wir bei den sportlichen Betätigungen von Kai Wegner und seiner Partnerin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, und den Stichworten Seriosität und Transparenz angelangt wären. Denn was der aktuelle Regierende Bürgermeister am 3. Januar so machte, als Berlin mit dem größten Stromausfall der Stadtgeschichte und Zehntausenden von leidenden Berliner:innen zu kämpfen hatte, kam ein wenig schleppend und erst nach investigativem Nachhaken zutage. Er spielte nämlich (auch) ein wenig Tennis, um den Kopf freizukriegen. Zunächst hatte er noch verkündet, er habe sich „zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne“, was wir allerdings nicht so recht kapieren. Möglicherweise hatte er Sorge, die wiedergekehrten Linksterroristen (s. auch unten „Märchen aus dem Zahlenwald II“) hätten sich nicht nur am Stromnetz, sondern auch an ihm als der energetischen Schaltzentrale schlechthin vergreifen wollen. https://strafrecht-online.org/ts-wegner-stromausfall https://strafrecht-online.org/spon-wegner-tennis Diese kleine Kurzschlussreaktion können wir also ganz gut nachvollziehen, und wir verweisen vergleichsweise zufrieden darauf, dass Tennis irgendwie schon ganz gut zum Stromausfall im Südwesten von Berlin – Zehlendorf, Wannsee, Nikolassee – passte. Außerdem soll Kai Wegner auch während des Tennismatches durchgehend erreichbar gewesen sein, zumindest bei den Seitenwechseln bzw. den Trinkpausen. Denn Trinken ist wichtig, auch bei Kälte, die aber für ihn gar nicht behauptet wird. Schließlich und zu guter Letzt: Kai Wegner hat nach seinem Realschulabschluss gedient, das möchten wir an dieser Stelle einmal hervorheben, und außerdem eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann erfolgreich abgeschlossen. Aber mit dieser Expertise hätte er doch auch nur dumm in der Clayallee rumstehen können, am Ende wäre er noch für die kalten Wohnungen verantwortlich gemacht worden. Und so rufen wir aus: Alles richtig gemacht. Die Gummistiefel von Gerhard Schröder sind schließlich auch nicht im Haus der Geschichte gelandet. Und wer will überhaupt mit ihm heute noch etwas zu tun haben? https://sz.de/1.6329227 [kostenfrei über UB]
27.02.2026

Voting zum Verhältnis von Freizeitverhalten und Delinquenz

Anlässlich eines Vortrags von Dietrich Oberwittler im Rahmen unserer Tacheles-Reihe hatten wir Sie nach Ihrer Einschätzung gefragt, ob sich ein verändertes Freizeitverhalten von Jugendlichen auf deren Kriminalität auswirke. Während zu Beginn unseres Votings eher Skepsis herrschte, sind nunmehr nach gut zwei Monaten doch 58 % (35 Stimmen) der Auffassung, dass die Delinquenz der jugendlichen Coach-Potatoes abnehme, 42 % (25 Stimmen) hingegen glauben, dass dieses veränderte Freizeitverhalten keine Auswirkungen auf die Delinquenz habe. Dietrich Oberwittler kam in einer großen empirischen und international angelegten Studie zusammen mit einem schwedischen Wissenschaftler zu dem Ergebnis, das auch die bei uns Abstimmenden mehrheitlich annahmen. Die Gründe hierfür: Jugendliche würden weniger Alkohol trinken, weniger unkontrollierte Zeit mit Gleichaltrigen verbringen und unter engerer Kontrolle der Eltern stehen. Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.
27.02.2026

Erst mal die Datengrundlage klären

Das klingt doch super, ganz im Sinne einer evidenzbasierten Politik. Geht es um die Frage, ob die Videoüberwachung tatsächlich so erfolgreich ist, wie die Polizei in ihrer profunden Selbst-Evaluation behauptet? Nein, leider nicht. Es geht um die Frage, wie es mit dem Freiburger Flugplatz weitergehen soll, dessen Pachtverträge 2031 enden. Und während OB-Kandidatin Monika Stein für das Aus des Freiburger Flughafens plädiert, will sich OB Martin Horn noch nicht positionieren. Und wir ergänzen: Auf keinen Fall vor der OB-Wahl am 26. April. Horn befürchtet einen Schnellschuss, obwohl die Fakten schon seit Jahren auf dem Tisch liegen. Der Flughafen steht einer Stadtentwicklung im Wege, er hat außer für die Eliten keine Bedeutung, die Relevanz für die Uniklinik ist vorgeschoben, er belastet über versiegelte Flächen die Umwelt. Selbst der Ukrainekrieg wird nunmehr ins Spiel gebracht. Aber, wie gesagt: Das sollte noch einmal und immer wieder durchgekaut werden, bis die aufgeschreckte Klientel ein weiteres Mal richtig abgestimmt hat. Dann doch lieber noch einen die Bevölkerung erfreuenden und mit Sicherheit nicht realisierbaren Schnellschuss in Sachen künftiger Nutzung der alten Freiburger Stadthalle als Sportzentrum. Wie wäre es, wenn das mal wieder über die städtischen Social-Media-Accounts lanciert würde? Die Begeisterung über die derzeitigen Machenschaften des OB hält sich allerdings durchaus in Grenzen.